von Denise Pätzold

Wohnen & Leben

Es gibt kaum einen Raum im Haushalt mit so hohem Verpackungsverbrauch wie das Badezimmer. Shampooflaschen, Duschgels, Spülungen und Cremes bestehen praktisch nur aus Kunststoff. Laut einer Erhebung des Umweltbundesamtes fielen in Deutschland 2021 rund 5,7 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle aus Kunststoff an, von denen ein hoher Anteil auf Kosmetikprodukte entfällt. Feste Pflegeprodukte aus natürlichen Rohstoffen sind eine einfache Möglichkeit, die eigene Plastikabfallmenge zu reduzieren und trotzdem auf nichts bei der Pflege zu verzichten.

Was machen feste Pflegeprodukte so besonders?

Feste Kosmetik kommt fast ohne Wasser als Trägerstoff aus. Flüssige Duschgels bestehen zu 70 bis 90 Prozent aus Wasser. Feste Alternativen sind konzentriert formuliert. Das spart Transportgewicht, Platzbedarf und Verpackungsmüll. Oft genügt ein einfacher Papierumschlag oder eine kleine Pappschachtel.

Zu den bekanntesten Vertretern gehören feste Shampoos, Duschstücke, Conditioner Bars, Zahnputztabletten und Naturseife aus pflanzlichen Ölen. Die Kaltverfahrenseifenherstellung ist die traditionelle Methode, bei der Fette wie Olivenöl, Kokosöl oder Sheabutter mit Natronlauge verseift werden. Diese aufwendige Herstellung über Wochen bewahrt wertvolle Inhaltsstoffe, wie das Haut geschmeidig haltende Glycerin.

Zertifizierungen als Hilfestellung

Naturkosmetik ist gesetzlich nicht geschützt. Wer sichergehen möchte, achtet auf anerkannte Siegel. Zu den etablierten gehören:

  • COSMOS Natural und COSMOS Organic: international gültiger Standard, der Rohstoffherkunft, Herstellungsverfahren und Umweltauswirkungen in die Prüfung einbezieht.
  • NATRUE: dreistufiges Siegel, das fordert, dass mindestens 75 Prozent zertifizierte Naturkosmetik im Sortiment enthalten sind.
  • BDIH: deutscher Standard, der seit 2001 kontrolliert und synthetische Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe ausschließt.
  • Ecocert: französische Zertifizierung mit umfassenden Vorgaben zur biologischen Landwirtschaft.

Diese Siegel schließen Mineralöle, Silikone, PEG-Emulgatoren und synthetische UV-Filter aus und bieten dem Verbraucher die Möglichkeit, sich selbst ein Bild zu machen.

Ökologische Wirkung im Vergleich

Feste Shampoos haben einen um bis zu 98 Prozent kleineren CO₂-Fußabdruck als ihre flüssigen Verwandten. Das kommt zustande, weil sie weniger Wasser enthalten und die Verpackungen leichter sind. Ein festes Duschstück von etwa 100 Gramm entspricht ungefähr zwei bis drei handelsüblichen Duschgelflaschen mit je 250 Milliliter.

Außerdem belasten feste Seifen aus Pflanzenölen nicht unser Wasser. Denn während handelsübliche Duschgele überwiegend synthetische Tenside wie Sodium Laureth Sulfate enthalten, die zwar in Kläranlagen größtenteils, aber nicht vollständig zurückgehalten werden können.

Worauf es beim Kauf ankommt

Nicht jede feste Kosmetik ist automatisch auch nachhaltige Kosmetik. Ein Blick auf die Inhaltsstoffliste (INCI) zeigt schnell, wo die Problempunkte sind:

  • SLS und SLES sind aggressive Tenside
  • Palmöl ohne RSPO-Siegel
  • Mikroplastik in Form von Acrylaten oder Polyquaternium
  • synthetische Duftstoffe, häufig als „Parfum“ bezeichnet

Am besten sind Produkte mit einer kurzen, nachvollziehbaren Inhaltsstoffliste. Alepposeife, eine der ältesten Seifen überhaupt, enthält nichts außer Olivenöl, Lorbeeröl, Wasser und Natriumhydroxid. Ähnliche Rezepturen finden sich bei kastilischen Seifen, die seit dem 12. Jahrhundert in Schriftstücken erwähnt werden.

Aufbewahrung und Haltbarkeit

Richtig gelagert hält feste Pflege länger als flüssige. Ein Seifenschälchen aus Holz, Keramik oder Metall, das gut abtropfen kann, sorgt dafür, dass die Stücke nicht im stehenden Wasser weich werden. Kaltgerührte Seifen entwickeln erst durch mehrmonatiges Reifen einen milden pH-Wert von etwa 8 bis 9 und werden mit der Zeit sogar ergiebiger.

Wer sich nach und nach umstellen möchte, beginnt oft mit einem festen Duschstück oder Shampoo. Nach einer Eingewöhnungszeit von etwa zwei bis vier Wochen hat sich die Kopfhaut an die neue Pflegeroutine gewöhnt. Diese Umstellungszeit ist gut erforscht und als normal anzusehen.

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